Von der Redaktion Chinchilla Genetik · 5. Oktober 2026
Am vergangenen Samstag jährte sich die deutsche Wiedervereinigung zum 36. Mal. Der 3. Oktober 1990 ist Deutschlands Nationalfeiertag, weil an diesem Tag die DDR der Bundesrepublik Deutschland beitrat und die staatliche Teilung endete. Die Berliner Mauer war da bereits seit fast elf Monaten geöffnet. Wer die Feiern vom Wochenende einordnen will, muss diese beiden Daten auseinanderhalten.
Der 3. Oktober erinnert an die staatliche Einheit
Mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik galt das Grundgesetz ab dem 3. Oktober 1990 auch in den ostdeutschen Ländern. Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wurden Länder der Bundesrepublik. Auch der Ostteil Berlins wurde Teil des vereinten Berlins. Damit gab es nach Jahrzehnten der Teilung wieder einen deutschen Staat.
Der Einigungsvertrag zwischen der Bundesrepublik und der DDR bestimmte den 3. Oktober zum Tag der Deutschen Einheit. Das Datum markiert also einen genau benennbaren politischen und rechtlichen Schritt. Es steht für das Ergebnis eines Prozesses, der 1989 begonnen hatte und 1990 durch Wahlen, Verhandlungen und Verträge gestaltet wurde.
Die Einheit bedeutete nicht, dass von einem Tag auf den anderen alle Unterschiede zwischen Ost und West verschwanden. Wirtschaftsordnung, Verwaltung und Recht mussten zusammengeführt werden. Für viele Menschen veränderten sich Arbeit, Alltag und persönliche Möglichkeiten. Der Feiertag bezeichnet den Zeitpunkt der staatlichen Vereinigung, nicht den Abschluss aller gesellschaftlichen Veränderungen.
Der Mauerfall geschah schon am 9. November 1989
Der 9. November 1989 ist das Datum des Mauerfalls. Nach der Bekanntgabe neuer Reiseregeln strömten Menschen zu den Berliner Grenzübergängen; die Übergänge wurden geöffnet. Die Bilder aus Berlin wurden zum Symbol für das Ende der Abschottung. Trotzdem bestanden die DDR und die Bundesrepublik an diesem Abend weiterhin als zwei Staaten.
Genau darin liegt der wichtigste Unterschied: Der Mauerfall veränderte die Möglichkeit, eine Grenze zu passieren. Die Wiedervereinigung veränderte die staatliche Ordnung. Zwischen beiden Ereignissen lagen fast elf Monate, in denen entschieden werden musste, auf welchem Weg die Einheit zustande kommen sollte und welche Regeln danach gelten würden.
Der Mauerfall war zudem Teil einer breiteren Entwicklung. In der DDR hatten 1989 zahlreiche Menschen für politische Veränderungen, freie Wahlen und Reisefreiheit demonstriert. Die Öffnung der Grenze schuf neue Möglichkeiten, beantwortete aber noch nicht die Frage, ob und wie aus beiden deutschen Staaten ein gemeinsamer Staat werden würde.

Die Monate zwischen Mauerfall und Einheit
Eine kurze Chronologie zeigt, weshalb die beiden Gedenkdaten unterschiedliche Ereignisse bezeichnen:
- 9. November 1989: Die Berliner Mauer wird geöffnet. DDR und Bundesrepublik bleiben zunächst getrennte Staaten.
- 18. März 1990: In der DDR findet die erste freie Volkskammerwahl statt. Die neue Volkskammer gestaltet den Weg zur Einheit mit.
- 1. Juli 1990: Die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion tritt in Kraft. Die D-Mark wird Zahlungsmittel in der DDR.
- 31. August 1990: Beide deutschen Staaten unterzeichnen den Einigungsvertrag.
- 12. September 1990: Der Zwei-plus-Vier-Vertrag regelt mit den vier ehemaligen Besatzungsmächten zentrale außenpolitische Fragen der deutschen Einheit.
- 3. Oktober 1990: Die DDR tritt der Bundesrepublik bei. Deutschland ist staatlich wiedervereinigt.
Die Abfolge macht deutlich, dass die Einheit weder allein durch die Öffnung der Mauer noch durch einen einzigen Vertrag entstand. Entscheidungen innerhalb der DDR und der Bundesrepublik gehörten ebenso dazu wie internationale Vereinbarungen. Erst mit dem Beitritt am 3. Oktober war der staatliche Zusammenschluss vollzogen.
Warum Deutschland nicht den 9. November feiert
Der 9. November ist für die deutsche Geschichte ein vielschichtiges Datum. Mit dem Mauerfall verbindet sich ein entscheidender Schritt zur Überwindung der Teilung. Auf denselben Kalendertag fallen jedoch auch die nationalsozialistischen Novemberpogrome von 1938. Schon deshalb lässt sich der 9. November nicht auf die Freude über die Grenzöffnung reduzieren.
Der 3. Oktober benennt dagegen eindeutig den Tag, an dem die Wiedervereinigung rechtlich wirksam wurde. Als Nationalfeiertag erinnert er an die staatliche Einheit. Der 9. November bleibt ein wichtiger Gedenktag für den Mauerfall und zugleich für andere, sehr unterschiedliche Kapitel deutscher Geschichte.
Für die zeitliche Einordnung hilft eine einfache Unterscheidung: Wer über Menschen an den geöffneten Berliner Grenzübergängen spricht, meint den November 1989. Wer über den gemeinsamen Staat und den Nationalfeiertag spricht, meint den Oktober 1990. Die beiden Ereignisse gehören zusammen, sind aber nicht dasselbe.
Was der Jahrestag vom Wochenende bezeichnet
Der 3. Oktober 2026 fiel auf einen Samstag. Die Feiern des vergangenen Wochenendes galten dem 36. Jahrestag der staatlichen Wiedervereinigung. Sie erinnerten damit an den Tag, an dem die Teilung Deutschlands als staatliche Ordnung endete. Der nächste Jahrestag des Mauerfalls folgt am 9. November und erinnert an die Grenzöffnung von 1989.
Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet Hintergrundmaterial zur deutschen Einheit. Wer die Ereignisse zeitlich einordnen möchte, kann sich an den beiden Daten orientieren: 9. November 1989 für den Mauerfall und 3. Oktober 1990 für die Wiedervereinigung.
Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung
Kontext und Aktionen Über diesen Artikel
Quellenprüfung Historischer Hintergrund
Der Rückblick ordnet Mauerfall und staatliche Wiedervereinigung anhand ihrer jeweiligen Daten ein.
- Der Mauerfall datiert auf den 9. November 1989.
- Die staatliche Wiedervereinigung wurde am 3. Oktober 1990 wirksam.
- Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet Hintergrundmaterial zur deutschen Einheit...
- Quelle
- Bundeszentrale für politische Bildung
- Umfang
- Deutschland
- Aktualisiert
- 2026-10-05 07:38
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